Nicht wegzudenken aus der Besetzung im Filmteam der Küstenwache ist die Hauptdarstellerin „BP 23 Bad Düben“ alias „Albatros II“.
Es wird daher allerhöchste Zeit, auch über sie einmal zu berichten.
Als die „Albatros II“ eines Abends ganz gemütlich im Hafen auf ihrem Liegeplatz lag, habe ich sie besucht und ein wenig mit ihr geklönt. Daraus ergab sich das nachfolgende Interview, das Sie sicherlich interessieren wird.
emr
Wann und wo bist du geboren?
Albatros II
Geboren wurde ich 1988 auf der Peenewerft in Wolgast. Damals war ich eine Raketenkorvette und gehörte zur Volksmarine der DDR. Auch meine etwas ältere Schwester, die „BP 22 Neustrelitz“ wurde dort als Raketenkorvette geboren.

Ich wurde auf den Namen „Sellin“ und meine Schwester auf den Namen „Saßnitz” getauft.
emr
Habt ihr dann auch für die Marine gearbeitet?
Albatros II
Nein – es kam ja bald die Wende. Wir sollten nun bei der Küstenwache arbeiten. Aus diesem Grund kamen wir beide erst Mal wieder auf die Peenewerft – obwohl wir eigentlich ganz neu waren – und wurden völlig umgebaut. Es war fast wie eine Schönheitsoperation. Als wir nun beide richtig chic waren, durften wir nach Neustadt an unseren neuen Arbeitsplatz.
Wir wurden umgetauft: Ich heiße nun „BP 23 Bad Düben“ und meine Schwester „BP 22 Neustrelitz“.

emr
Gefällt es dir hier in Neustadt?
Albatros II
Ja sehr gut!! Ich habe einen schönen Liegeplatz, von wo aus ich all die anderen Schiffe gut sehen kann, und ich kann aufs Meer schauen.

emr
Kannst du mir etwas über deine persönlichen Daten sagen?
Albatros II
Natürlich. Ich bin – genau wie meine Schwester 48,90 m lang und 8,65 m breit. Unser Tiefgang beträgt 2,45 m. Unsere Stammbesatzung ist 14 Beamtinnen bzw. Beamte. Unsere Höchstgeschwindigkeit ist 26 Knoten, das sind etwa 50 km/h.


emr
Nachdem ihr nach Neustadt gekommen seid habt ihr also als Streifenschiffe für die Küstenwache gearbeitet. Wußtet ihr da schon, daß ihr bald zum Film gehen würdet?
Albatros II
Nein. Aber am 31. März 2004 wurde unsere kleine Verwandte, die BG 14, die bis dahin immer die „Albatros“ in der Serie „Küstenwache“ gespielt hatte, außer Dienst gestellt. Sie ging ins Ausland.
Die Opal Filmgesellschaft brauchte natürlich eine Nachfolgerin für die Albatros. So wurde ich als „Albatros II“ engagiert.
emr
Wie gefiel dir der Gedanke, zukünftig eine Filmdiva zu sein?
Albatros II
Das fand ich ganz große Klasse.

emr
Manchmal muß deine Schwester, die BP 22 „Neustrelitz“, dich doubeln.
Albatros II
Ja klar. Das liegt daran, daß wir beide hauptberuflich für die richtige Küstenwache arbeiten müssen. Da habe ich nicht immer Zeit für die Dreharbeiten.

emr
Welche Arbeit magst du lieber – deine Arbeit als Streifenschiff, oder deine Arbeit als Filmschiff.
Albatros II
Meine Arbeit als Streifenschiff ist sehr wichtig und auch interessant. Aber natürlich macht es mir sehr viel Spaß, mit dem OPAL-Team zu arbeiten. Das sind alles so nette Leute und auch meine Crew versteht sich mit ihnen ganz prima.
Ich mag es, daß die Filmleute genauso diszipliniert arbeiten, wie meine richtige Crew. Oft ist es aber auch wirklich sehr lustig.

Im übrigen ist der Dienst fast genauso, wie meine Arbeit als Streifenschiff, nur daß die Filmleute immer alles noch mal und noch mal machen, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden sind.

emr
Wie funktioniert das mit deinen Einsätzen für die OPAL Filmgesellschaft – ich meine vom Zeitplan her?
Albatros II
Der Chef von der OPAL Filmgesellschaft und mein Einsatzchef müssen sich abstimmen. Im Rahmen meiner hauptamtlichen Einsätze bzw. der meiner Schwester werden dann die Wünsche für die Dreharbeiten soweit wie möglich berücksichtigt.
Oft ist das gar nicht so einfach, weil meine Schwester und ich alle sechs Wochen zu einem Wartungscheck in den Hafen müssen, damit alles absolut einwandfrei funktioniert. Im Abstand von zweieinhalb Jahren müssen wir auch zu einer ganz großen Durchsicht auf die Werft. Diese Zeiten müssen natürlich unbedingt berücksichtigt werden.

emr
Und im Jahr 2007 hattet ihr noch einen Sonderauftrag zu erfüllen: Ihr mußtet während der Zeit des G-8-Gipfels in Heiligendamm auf See ganz besondere Sicherungsaufgaben übernehmen.
Albatros II
Ja, das ist richtig. Vom 14. Mai bis 12. Juni 2007 war dieser Auftrag vorrangig. Da waren wir beide dienstlich unabkömmlich.

emr
Würde es dir Spaß machen, wenn auch die Szenen auf deiner Brücke bzw. bei dir unter Deck direkt bei dir gedreht würden?
Albatros II
Ja natürlich, aber das funktioniert einfach nicht, weil ich so viele Aufgaben zu erfüllen habe. Außerdem muß die OPAL Filmgesellschaft möglichst sparsam wirtschaften. Deshalb haben sie ja auch ein Studio, in dem alle meine Innereien nachgebaut wurden. Da können sie dann unabhängig vom Wetter und meinen Dienstplänen drehen, und sie müssen keine Gage für mich bezahlen.
emr
Schaust du dir die Folgen der Serie „Küstenwache“ an?
Albatros II
Ja klar! Ich bin immer ganz begeistert, wie sich dann all die Szenen, die ich vom Drehen nur zusammenhanglos kenne, zu einer spannenden Geschichte zusammenfügen.
Außerdem bin ich total begeistert von den Innenaufnahmen, also den Szenen in meinem Inneren, die im Studio gedreht wurden. Es sieht alles genauso aus wie in mir drin. Ich bewundere den Filmarchitekten und seine Mitarbeiter und die Beleuchter und den Kameramann und die Regie, wie sie das so täuschend echt hinkriegen.
Selbstverständlich bin ich auch sehr stolz darauf, daß die Serie so gute Einschaltquoten hat und so viele Leute davon begeistert sind.
emr
Was machst du am liebsten, wenn du frei hast?
Albatros II
Mit all den anderen Schiffen in meiner Nähe klönen und Geschichten von See spinnen, aufs Meer schau’n und Sonnenauf- und Untergänge genießen.

emr
Wenn du dir wünschen könntest, was du wolltest – was wäre das?
Albatros II
Ich wünsche mir, daß es noch ganz, ganz viele Folgen der Fernsehserie „Küstenwache“ geben wird und daß ich immer mitspielen darf.
emr
Ich danke dir für dieses nette Gespräch und wünsche dir für die Zukunft alles, alles Gute und noch viele schöne Einsätze – als Streifenschiff und als Filmdiva!
Interview: emr
Fotos: emr und Butze